Freitag, 8. Juni 2012

Fortsetzung folgt Freitag

Was hab ich am Anfang in Amsterdam über das holländische "Brot" gejammert. Da das Vermissen von deutschem Brot ein bekanntes Phänomen ist, hat man uns beim Niederländisch-Kurs im Goethe-Institut dann zur Aufmunterung auch gleich ne Liste ausgehändigt, wo man Brot kaufen kann, das dem deutschen am nahsten kommt. Leider wussten diese Bäckereien ihre Macht zu nutzen und haben dann gleich über 4 € für ein Pfund-Brot verlangt. Ein Betrag, bei dem die Schwäbin in mir automatisch wieder in DM umrechnet! Meine persönliche Lösung war dann ne Brotbackmaschine + Backmischungen von IKEA, bis schließlich auch Albert Heijn und Vomar diese Marktlücke entdeckt haben und begannen anständiges Brot zu verkaufen.

Wenn man in meinen Anfangsjahren in Holland bei Heimatbesuchen mit mir in den Supermarkt ging, musste man sich Stunden dafür freihalten. Denn ein gewöhnlicher EDEKA kam mir plötzlich wie das Schlaraffenland vor. Vermutlich würde man seit meinem Umzug nach Frankreich das gleiche erleben, wenn man mit mir bei Albert Heijn shoppen ginge. Denn ab und zu ertappe ich mich selbst im größten Carrefour bei dem Gedanken, dass ich das, wonach ich gerade verzweifelt suche, bei unsrem Freund Albert sicher ganz einfach fände.
Wenn man im Urlaub mal nen französischen Konsumtempel besucht hat, wird man das kaum glauben können. Denn hier in Frankreich sind die Supermärkte in der Regel riesig und die Auswahl scheint nahezu unendlich. Doch was bringt es, dass man zwischen 100 Sorten O-Saft wählen kann, wenn man nach nem Johannisbeer- oder Kirschsaft für sein Schorle sucht? Wenigstens bekommt man für den Wasseranteil im Schorle was vernünftigeres als nur das ewige 'Spa rood'.

Mit Essiggurken hat man in Holland und Frankreich ein Problem! Das Wissen, dass unsere eingemachten Gurken eigentlich Süß-Sauer-Gurken heißen müssten, musste ich mir sauer erarbeiten.Während es in Holland genügt, darauf zu achten, dass auf dem Glas billiger 'Augurken' auch 'zoet-zuur' drauf steht, hat man in Frankreich schon größere Probleme. Die Franzosen lieben ihre Cornichons sauer! Da bleibt in der Regel oft nur der Griff zur teuren Markenware made in Germany.

Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als man in Deutschland das schmackhafteste Gemüse vorwiegend beim ausländischen Gemüsehändler bekam. Vermutlich wollten sich die Menschen mit Migrationshintergrund nicht mehr damit abfinden, dass man in deutschen Supermärkten in der Regel nur geschmacklose Hollandware kaufen konnte, mit denen die heimische Gerichte einfach nicht heimisch schmecken wollten. Wie wichtig aber der Geschmack von Heimat für das Lebensgefühl ist, kann jeder nachvollziehen, der einmal darauf verzichten musste!